Text: Sabine Fröhlich
Wenn es um Bedienungsanleitungen geht, trifft Technik auf Sprache, begegnen einander ratlose Konsumenten und nervenstarke Hotline-Mitarbeiter ebenso wie Übersetzer und Technische Redakteure. Die perfekte Bedienungsanleitung ist das erklärte Ziel aller – aber was soll da drin stehen? (…)
WIE ENTSTEHT EINE BEDIENUNGSANLEITUNG?
„Vor allem nicht einfach drauflosschreiben“‚ erläutert Elena Stadnik-Holzer, Sprachwissenschafterin und freie Technische Redakteurin‚ die Geburtsstunde einer Bedienungsanleitung. Je nach Komplexität des Geräts und Qualität bereits vorhandener Informationen schätzt sie den Zeitaufwand für das Verfassen einer Bedienungsanleitung zwischen einer und sechs Stunden pro Seite. (…)
Welche Sprache sollen nun Bedienungsanleitungen sprechen? Es kommt auf die Eindeutigkeit an, erklärt Elena Stadnik-Holzer. In den Worten der Sprachwissenschafterin geht es konkret um die „umkehrbare Eindeutigkeit der Zuordnung zwischen Gerätebestandteilen und Abläufen auf der einen Seite und Termini technici auf der anderen Seite.“ Sie erläutert es umgehend noch einmal breitentauglicher: „Dass einfach dasselbe Ding immer denselben Namen hat und ein und derselbe Name immer dasselbe Ding beschreibt.“ (…)
DIE PERFEKTE BEDIENUNGSANLEITUNG
Für die perfekte Gebrauchsanweisung scheint es vor allem darauf anzukommen, zu wissen, wofür sie nicht die geeignete Spielwiese ist. So erläutert Elena Stadnik-Holzer: „Weder das technische Wissen des Herstellers noch die sprachliche Virtuosität des Redakteurs sind das Wesentliche einer Bedienungsanleitung. Man darf hier nicht mit großer Kenntnis von Synonymen brillieren, man muss es dem Benutzer möglichst einfach machen.“ (…)
WIE GUT WAR SIE?
Werden Bedienungsanleitungen vorab getestet? Meist nicht an völlig unbedarften Konsumenten, aber, im Falle von Viking, „an den am wenigsten technisch arbeitenden Personen, die am jeweiligen Projekt beteiligt sind“, etwa den Finanzberatern. „Oder an meinem Mann“, erwähnt Elena Stadnik-Holzer lachend. (…)
WER IST EIN TECHNISCHER REDAKTEUR?
Ausbildungen zum Technischen Redakteur gibt es in Österreich im Wesentlichen seit 2002. (…)
Rund 50.000 Personen sollen in Österreich im Bereich Technische Dokumentation tätig sein. Für den Teil der Bedienungsanleitungen fasst Elena Stadnik-Holzer das Entscheidende zusammen: „Zu einer perfekten Bedienungsanleitung kommt man, wenn sie von jemandem geschrieben wurde, der die richtige Berufswahl getroffen hat.“
MAG. DR. ELENA STADNIK-HOLZER hat Slawistik, Germanistik und Phonetik studiert. Ihr Unternehmen Scripta Manent bietet neben Technischer Redaktion und Texten anderer Themengebiete auch Übersetzungen, Dolmetschdienste sowie Sprachtrainings für mehrere slawische Sprachen, Deutsch und Latein an. Die Autorin zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen erinnert sich gern an das Feedback eines völlig überraschten Kunden in der Anfangszeit ihrer Tätigkeit als Technische Redakteurin: „Geh bist deppat, des kannst ja lesen!“. Im Gespräch brilliert sie in unaufdringlicher Weise mit erstklassiger Rhetorik und einer ganz offenkundig geschulten Sprechweise. Besonders bemerkenswert, weil nur durch Nachfragen herauszufinden: Deutsch ist gar nicht ihre Muttersprache. Elena Stadnik-Holzer arbeitet für Kunden wie Acat Applied Chemicals, voestalpine, Neuma Solar Sonnenkollektoren – und Niederer Maschinenbau, Lieblingsstichwort: „Power-Schneefräse“.
Vollständiger Text
Nach dem großen Erfolg, den voriges Jahr die Scheibbser Internationalen Sprachhisrorischen Tage II (SIST II) für sich verbuchen konnten, fanden nun heuer vom 1. bis zum 3. Juli die SIST III mit dem Titel „Slawisch und Slawen im Gefüge vergangener Welten“ statt. Das Besondere an den SIST III war, dass sie dem 80. Geburtstag von Herrn Dr. Dr. Radoslav Katičić, Professor emeritus der Universität Wien, einem der allergrößten lebenden Sprach- und Kulturwissenschaftler, gewidmet waren. Der gebürtige Kroate ist Autor von 29 Büchern und mehrerer Hundert anderer wissenschaftlicher Arbeiten; er ist Träger renommierter Preise und hoher Würden, zu denen vor allem seine Mitgliedschaft an den Akademien der Wissenschaften mehrerer Länder, darunter auch Kroatiens und Österreichs zählen. „Einem einzelnen ist es unmöglich, die wissenschaftliche Kapazität Professor Katičićs im Ganzen auch nur annähernd zu überblicken“, hielt die Organisatorin Elena Stadnik-Holzer in ihrer Laudatio im Scheibbser Rathaus fest. „Um seinen Horizont nur mit einigen Eckpfeilern abzustecken, seien folgende Fachgebiete aufgelistet, die unser Jubilar vertritt: das antike Griechisch, das mittelalterliche Griechisch, das antike Latein, das mittelalterliche Latein, das Altindische, das Altiranische, die vorantiken Sprachen der Balkanhalbinsel, das Althebräische sowie auch die alten und die neuen slavischen Sprachen“. Anwesend zur feierlichen Eröffnung der SIST III waren auch heuer zahlreiche Gäste aus dem Aus- und Inland, darunter der Präsident der Kroatischen Akademie der Wissenschaften und Künste, Prof. Dr. Dr. Milan Moguš, sowie der Botschafter der Republik Kroatien, Herr Prof. Dr. Zoran Jašić, der dem heurigen Symposium höchste Priorität zuschrieb.
Treffpunkt hochkarätiger kroatischer Wissenschafter und Diplomaten war vergangene Woche die Bezirkshauptstadt: Die Wahlscheibbserin und Slavistin Elena Stadnik-Holzer lud zu den Scheibbser Internationalen Sprachhistorischen Tagen, die im dritten Jahr ihres Bestehens dem berühmten kroatischen Sprachwissenschafter Radoslav Katičić gewidmet waren. Das akademische Schwergewicht, nach dem - wie Stadnik-Holzer betonte - sogar in kroatischen Kreuzworträtseln gefragt wird, feierte in Scheibbs seinen 80. Geburtstag. Darüber hinaus konnte Bürgermeisterin Christine Dünwald beim feierlichen Empfang am Donnerstagabend im Rathaus auch noch den kroatischen Botschafter Zoran Jašić, den Präsidenten der kroatischen Akademie der Wissenschaften, Milan Moguš, sowie zahlreiche regionale Sponsoren begrüßen.
SCHEIBBS / Hochkarätige Wissenschafter aus aller Welt treffen einander vom 1. bis zum 3. Juli zu den Scheibbser Internationalen Sprachhistorischen Tagen, die bereits zum dritten Mal in der Bezirkshauptstadt stattfinden. Das diesjährige Symposium unter dem Titel „Slawisch und Slawen im Gefüge vergangener Welten“ ist dem berühmten kroatischen Sprachwissenschafter Radoslav Katičić gewidmet. Erwartet werden in Scheibbs unter anderen der kroatische Botschafter Zoran Jašić und der Präsident der Kroatischen Akademie der Wissenschaften, Milan Moguš. Die offizielle Eröffnung findet am Donnerstag, 1. Juli, um 18.30 Uhr im Rathaussaal statt.
DR. ELENA STADNIK-HOLZER über die sprachlichen Spuren der Slawen im Bezirk Scheibbs.
NÖN: Was verbindet Scheibbs mit den Slawen, außer dem Symposium, das Anfang Juli in der Bezirksstadt stattfindet?
STADNIK-HOLZER: Scheibbs hat viele slawische Wurzeln. Das Erlauftal wurde im frühen Mittelalter - so wie ganz Ostösterreich - neben anderen Völkern auch von den Slawen bevölkert. Die Germanen setzten sich schließlich durch. Nichtsdestoweniger haben die Slawen viele sprachliche Spuren hinterlassen.
NÖN: Können Sie einige Beispiele nennen?
STADNIK-HOLZER: Das gesamte Erlauftal ist voller mittelalterlicher slawischer Orts-, Fluss- und Bergnamen. Der Name Ötscher kommt beispielsweise von „otschan“, was so viel wie „Gevatter“ bedeutet. Damit meinten die Slawen den Donnergott, dessen wirklichen Namen sie nicht auszusprechen wagten.
NÖN: Die Liebe zur Slawistik liegt bei Ihnen in der Familie:
Auch Ihr Mann hat sich dieser Wissenschaft verschrieben. Was macht die Faszination dieses Faches aus?
STADNIK-HOLZER: Es ist eine fesselnde Disziplin, die uns auf einzigartige Weise über unsere Identität aufklärt. Es geht ja nicht bloß um das Ausfindigmachen von slawischen Namen, es geht darum, diese Namen die Geschichte einer Region erzählen zu lassen. Das Slawische ist in Scheibbs ausgestorben, das Volk aber, das es einmal gesprochen hat, lebt in uns weiter.
Die Wahlscheibbserin Elena Stadnik-Holzer ist gebürtige Ukrainerin und studierte an den Universitäten Odessa (Ukraine), Sofia (Bulgarien) und Hamburg (Deutschland) die Fächer Germanistik, Slavistik und Phonetik. Sie lehrte an verschiedenen internationalen Universitäten und hält wissenschaftliche Vorträge. Die 40-jährige erwartet ihr drittes Kind und lebt mit ihrer Familie in Scheibbs.